Sonntag, 18. April 2010

Afghanistan, Terror, USA

Aktuell mehren sich wieder einmal medienwirksam Zweifel am "Erfolg" des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Dabei meinen wir es doch so gut! Und ein sofortiger Abzug ist eh kein Thema- sieht man von den populistischen Forderungen der Linken und Gysi einmal ab. Ein paar Haubitzen mehr werden´s schon richten...
Es ist doch nun einmal so, dass Deutschland und die gesamte westliche Welt in einem Boot mit der USA sitzt. Und die USA werden sich wohl in ihrem offziell und medial gebetsmühlenartig bekräftigten, globalen Kampf für mehr Demokratie und weniger Terror so schnell wohl nicht zügeln. Also muss auch Deutschland mitziehen...
Die etablierten Medien halten sich mit einer fundamentalen Kritik doch erstaunlich zurück. Tote im "Krieg", ja, man darf ja jetzt mit dem Segen Merkels&Co. davon sprechen, das ist nicht schön, und traurig. Unsere tapferen Soldaten. Aber: Die Freiheit muss nun mal auch am Hindukusch verteidigt werden...
Obwohl ich mich durchaus als politisch interessiert bezeichnen würde, kann ich mich aktuell an keine Sendung und an keinen Nachrichten-Bericht bei ARD oder ZDF, aber auch z.B. dem Spiegel erinnern, der nicht ganz im Sinne des "Common Sense" wäre. Obwohl für mich gerade der Spiegel immer eine journalistische Instanz war und ist, muss ich feststellen, dass auch der bereits Ende Januar zum Thema Afghanistan veröffentlichte Leitartikel (siehe hier) keine rühmliche Ausnahme darstellt. Sicher: Es kommen darin viele interessante Infos gerade zur Historie vor, je mehr sich aber der Artikel der gegenwärtigen Situation nähert, desto kritikarmer wird er...eigentlich erstaunlich, dass in einer Demokratie doch größtenteils eine Informations-Einbahnstraßen-Medien-Politik herrschen kann.
Wie lautet sie nochmal, die Terror-Agenda, der "Common Sense"? Ohne an der Stelle näher darauf einzugehen, gilt doch der öffentlich kaum widersprochene geschweige denn überhaupt diskutierte Grundsatz, dass die Welt seit dem 9/11 eine Andere ist. Offiziell zumindest.
Diese Leier läuft seit Jahren auf allen Kanälen rauf und runter...
Nun gibt es aber doch auch die Möglichkeit, sich im Internet zu informieren.
Durch die aktuellen Vorkommnisse in Afghanistan motiviert, habe ich das zumindest versucht. Ein, zwei Klicks später stieß ich auf den Namen "Christoph Hörstel" (Grund-Infos zur Person auf Wikipedia).
Eine wirklich interessante Figur, von der ich bis dato noch nie etwas gehört hatte: Ein echter Journalist, von denen es anscheinend nicht mehr Viele gibt- wer als verdienter Korrespondent und Afganistan-Kenner die ARD verlässt, weil er die Einseitigkeit in der Berichterstattung weder hinnehmen will, noch verantworten kann und es im Anschluss nur für sehr kurze Zeit bei Siemens ("Korruption unerträglich") aushält, der hat aus meiner Sicht einen gewissen Vertrauens-Vorschuss verdient. Erstaunlich- oder, wenn man es sich recht überlegt: vielleicht eben nicht-, dass dieser Mann medial so wenig Beachtung findet.
Wer sich nicht nur mit den üblichen Informations-Häppchen und Politiker-Standardfloskeln zufrieden gibt und einfach einmal eine andere Sicht der Dinge haben will, dem sei folgendes 76(!)-minütiges-Interview mit ihm dringendst ans Herz gelegt (hier klicken), produziert übrigens von "NuoViso", ebenfalls aus meiner Sicht nicht unbedingt verdächtig, dem "Common Sense" zu dienen.
Zur Afghanistan-Problematik wäre außerdem ein SWR1-Radio-Interview (hier kann man sich das Interview anhören oder runterladen) mit ihm zu empfehlen, alles Weitere liefert bei Interesse ohnehin die Suchmaschine.
Auch wenn man sich diese Zeit genommen haben sollte, gilt natürlich noch der Grundsatz, dass man sich eine eigene Meinung bilden sollte. Aber die dort genannten Argumente sollte man zumindest eben kennen.
Und: Was wäre denn, wenn Hörstels Thesen von der gegenwärtigen, globalen Situation weniger falsch als der "Common Sense" wären? Was wäre, wenn es den Vereinigten Staaten z.B. in Afghanistan, wie auf dem Rest der Welt, eben nicht um Demokratie und Freiheit, sondern in Wirklichkeit rein um geostrategische Interessen und in diesem Zusammenhang (Stichwort: Ressourcen) schlicht um Sicherung und wenn schon nicht Ausbau, so doch zumindest Fortbestand der eigenen Vormachtstellung ginge? Und zwar mit allen Mitteln?
Und wo wir gerade dabei sind- noch einmal kurz zu 9/11, dem zweifellos dramatischen Ereignis, was als offizielle Legitimation für den "Krieg gegen den Terror" benutzt wird und der westlichen Welt ja offenbar keine andere Wahl lässt, als sich mit den USA im "Terrorkampf" zu verbünden:
Was wäre dennn, wenn auch hier die "Common Sense"-Variante anzuzweifeln wäre- wie das wiederum nicht nur Hörstel, sondern ein weiterer, altehrwürdiger Journalist wie Peter Scholl-Latour macht (siehe Scholl-Latour in einer Diskussionsrunde auf Phönix) und Amerika seit 9/11 ein Land im "Ausnahmezustand" ist, in dem Bürgerreche noch weniger, Militärrechte aber mehr als zuvor schon gelten, auch unter Obama (ein Artikel hierzu in dem Polit-Magazin "Hintergrund")?
Ja, was wäre denn, wenn mit Obama wirklich nur eine andere Rhetorik ins Weiße Haus eingezogen wäre, aber keine andere Außenpolitik? Wenn auch er international geltendes Recht in erster Linie im Interesse Israels und dann Amerikas einfach ignorieren und nicht nur die Nato zu diesem Zweck missbrauchen würde?
Und, was wäre denn, wenn die Finanz-Krise nur ein weiteres Indiz dafür wäre, dass das westliche System am Implodieren war und weiterhin ist, nicht zuletzt auch deshalb, weil grenzenloser Egoismus in Verbindung mit global Krieg&Terror finanzieren auf die Dauer doch nicht ganz gut und günstig ist?
Wenn gerade deshalb bzw. trotzdem wirtschaftlicher Imperialismus als einziger Ausweg praktiziert würde, in diesem wie in vergangenen Jahrhunderten?
Wenn sich aber die Zeiten geändert hätten?
Wenn mittlerweile und nicht erst seit gestern ein anderer Block, offensichtlich unter Chinas Führung, mit Russland als Partner, das nicht mehr so gerne "a priori" hinnehmen mag?
Wenn man zudem Stellvertreter-Konflikte wie Iran-Israel-Palästina und Korea, also Pulverfässer, die jederzeit im großen Maßstab explodieren könnten, berücksichtigt?
Ja, was wäre dann? Und was hätten wir schon?
Oder sind das alles nur "Verschwörungstheorien", von irgendwelchen Querköpfen ausgedacht, die in Verdacht stehen, Lobbyarbeit im Namen des Islam zu betreiben?
Ist es wirklich so einfach?
Ohne selbst irgendetwas mit Religion am Hut zu haben, möchte ich zum Schluss und um den Kreis zu schließen aber schon noch einmal fragen, warum in den (etablierten) westlichen Medien doch sehr "gleichgeschaltet" über solche Sachverhalte berichtet wird? Über eine Witzfigur wie Guido Knopp und seine 3000.te "ZDF-History"-Sendung zum Thema "2. Weltkrieg- heute: was stand bei Hitler am letzten Bunker-Tag auf dem Mittagstisch?" kann ich schon lange nicht mehr lachen.
Und, was nicht weniger nachdenklich stimmt: Dass sich intelektuelle Kreise mehr als bedeckt halten mit einer breiten öffentlichen Kritik, die etwas tiefer greift als das Beklagen von Toten in einem anscheinend unvermeidlichen, "notwendigen" Krieg gegen den Terror? Hörstel und Scholl-Latour in Ehren.
Wo ist eine echte, ernstzunehmende, konzentrierte inter-nationale Front gegen den "Feind", gegen Lügen und Unwissenheit? Wer kennt denn schon den sehr gelungenen Spiel-Film "Syriana" aus dem Jahr 2005 (Infos dazu auf Wikipedia), der die US-Machenschaften rund ums Öl eindrucksvoll aufdeckt? Auf Deutschland bezogen: Reicht es, wenn ein Exot wie Georg Schramm im Kabarett Klartext nicht nur zum Thema Afghanistan spricht (siehe vergangenen Dienstag)?
Wo sind weitere kritische Stimmen?
Was macht die "hohe" Kunst und die Jugend?
Resignieren und verblöden?
Oder: Ist am Ende Alles nur halb so schlimm?
Finanzkrise hin, Afghanistan her?
Hauptsache "Paaaaarty"?
Noch eine letzte Prognose: Wenn sich daran nichts ändert, werden wir uns früher oder später noch wundern. Ob es dann zu spät ist?

Dienstag, 13. April 2010

Hilfe!

Kanzlerin Merkel hat wieder einmal Alles gegeben. Für Deutschland. Gegen Griechenland. Es war ein harter Kampf mit heißen Worthülsen-Gefechten. Am Anfang und vor ein paar Wochen stand noch das "Non" der eisernen deutschen Lady wie das Amen in der halbleeren Kirche (Promillewert des Pfarrers unbekannt).
Gestern wurde aber bekannt (siehe Spiegel Online), dass die deutschen Steuerzahler dann doch acht der dreißig Milliarden (also ca. 27%) an Finanzhilfe für unsere griechischen Freunde übernehmen müssen. Gut, jetzt könnte man meinen, dass das ein doch etwas großer Betrag ist bei einer EU-Mitgliederzahl von 27 und nicht etwa 3 oder 4 oder so. Doch wir Deutschen können´s uns ja leisten. Wir konnten uns ja auch die ein oder andere Landesbank und Hyporeal leisten. Was sind da schon weitere acht bescheidene Milliarden? Freunden in Not hilft man eben. Eben.
Nur: Es gibt aber weitere Härte- und Notfälle, nicht nur im Aus- sondern auch im Inland. Strukturschwache Regionen am Rande des Abgrunds. Ohne Milliarden Stütze so gut wie verloren. Ja, ich muss es sagen, da es mir eine Herzensangelegenheit ist: Frau Merkel, retten Sie Franken! Sehen Sie denn nicht das Elend? Als Mittelfranke weiß ich ja wohl, wovon ich rede. Gerade Nürnberg muss subventioniert und den Menschen vor Ort geholfen werden. Nach dem Weggang von Misimovic&Co. und dem Niedergang von Grundig, AEG und Quelle und einer gefühlten Arbeitslosenquote von über 20 Prozent- das ist das Doppelte Griechenlands- wäre es ja mal an der Zeit, Etwas zu unternehmen. Von der Ingolstädter Flachzange Seehofer ist ja eh Nichts zu erwarten, außer klaren Widersprüchen (siehe hier).
Franken hätte es ja wohl allemal verdient, wiederaufgebaut zu werden. Wer hat denn nicht nur das Schäuffele, sondern auch Frankreich, die Schweizer Währung und Lothar Matthäus erfunden??? Na Na! Wer hat denn 1990 die deutsche Nationalmannschaft fast im Alleingang zum Weltmeistertitel geführt (siehe hier)? Und wo wir gerade bei Italien sind: Wer hat denn damals den Römern am Limes den Arsch versohlt? Und was wäre aus uns geworden, wenn es nicht so gewesen wäre? Am End´gar ein kultiviertes Volk der Dichter und Denker? Also bitte. Das kann ja wohl Niemand so recht haben wollen.
Damit das aber auch so bleibt, fordere ich ein Milliardenpaket an Soforthilfe und eine Schäuffele-Flatrate für alle Franken. Das ist aber noch nicht Alles. Der FCN könnte auch mal ein paar gestandene Spieler wie Messi oder Xavi vertragen. Sofort. Die zweihundert Millionen machen das Nürnberger Würstlaskraut ja wohl auch nicht mehr fett. Denn es ist nicht auszumalen, was passieren könnte, wenn die letzte Bastion (zum achten Mal) fällt und der Glubb absteigt! Brennende Autos. Weinende Kinder. Aus Fenstern im Erdgeschoss springende Menschen. Hoffnungslose und hoffnungslos betrunkene Fans- gut, das ist zwar nach jedem Spiel so, gerade Auswärts, ändert aber nichts am Punkt: Wer Griechenland rettet, muss auch Franken retten, da führt kein Weg vorbei. Vielleicht auch noch den ganzen Osten, da könnte man ja mal bei einem Schäuffele drüber reden!
Wie? Der Doktor meint, ich müsste jetzt wieder meine Jacke anziehen? Also bitte...

Samstag, 27. März 2010

An der Nordseeküste

...sind die Fische im Wasser und selten an Land."
Das stellten "Klaus und Klaus" in einem ihrer Smash-Hits aus den 80ern fest (hier zum legendären Auftritt beim Dieter, beim Thomas, beim Heck). Ja, wir haben nicht vergessen. Wir Kinder der Vorwendezeit erinnern uns an diesen und an Titel wie "Da steht ein Pferd auf dem Flur" und "Klingelingeling Klingelingeling, hier kommt der Eiermann". Ach ja, die 80er...ok, das muss mit Nostalgiekitsch jetzt aber reichen.
Also schnell die Tränen getrocknet und zurück zum eigentlichen Thema, welches da wäre: Auch wenn die poetische Kraft eines Song-Textes wie "An der Nordseeküste" wohl über jeden Zweifel erhaben ist, bin ich kürzlich über einen TV-Bericht (3Sat, "Nano") gestoßen, der mich schlussfolgern lässt: der Text ist leider nicht vollständig. Richtig müsste es heißen: "An der Nordseeküste...sind die Fische und Bomben im Wasser und selten an Land".
Das Thema in dem Bericht ist, dass nach dem 2.Weltkrieg alleine in den Gewässern vor der niedersächsischen Küste schätzungsweise über eine Million (!!!) Tonnen "Kampfmittel" versenkt wurden. Das entspricht in etwa dem 25fachen Gewicht der Titanic oder dem doppelten Gewicht des "Bujr kalif", des größten Wolkenkratzers der Welt (Infos zum Skyscraper hier). Soviel zur Einordnung der Menge...
Nun zu der Frage: Was soll das heißen, Kampfmittel? Hier heißt es, dass am Meeresgrund "konventionelle" TNT-Bomben und -Granaten liegen, aber auch "unkonventionelle" Giftgasgranaten, die also mit dem Nervengift Tabun gefüllt sind, das über die Haut aufgenommen wird. Und halt, man muss es sagen, giftig ist...
Kein Wunder, dass das schleswig-holsteinische Innnenministerium da erst einmal entschieden hat, das zun tun, was Politker eben für gewöhnlich am besten tun, wenn sie nicht gerade heiße Luft in Mikros und Kameras hauchen: Nichts. Abwarten. Die Leute vergessen ja schnell. Und warum nicht einfach mal ein paar (Hundert) Tausend (Giftgas-)Granaten dort lassen, wo sie sind: in "Sicherheit", auf dem Meeresboden, z.B. vor Helgoland (siehe dazu einen Stern-Artikel).
Die Begründung stellt zugleich ein weiteres Mal die rasiermesserstumpfe Logik in den unergründlich verwinkelten Gedankengängen von Politikerh/birnen unter Beweis: Also, die Granaten seien im Allgemeinen ja nicht mehr gefährlich. Das Nervengift sei längst schon ausgewaschen. Das bestätigten "Fachleute"- wie der Hausmeister des Ministeriums?!
[Zu blöd, dass die Begründung dann nicht so weitergeht:]
Da könne man sie ja gleich unten lassen.
[Sondern:]
Eine Bergung durch Taucher wäre außerdem für diese zu gefährlich.
Das ist ungefär so sinnvoll, wie wenn es in einem Bürokomplex eine ernstzunehmende Bombendrohung gibt und dann vor Ort ein Polizeisprecher der Medienmeute berichtet, dass das Gebäude nicht geräumt werden muss, da ja keine akute Gefahr besteht, das Entschärfungs-Kommando aber vorsichtshalber nicht reingeschickt wird- könnte ja was passieren...
Und auch wenn der Hausmeister Recht haben und das Gift schon ausgewaschen sein sollte, möchte man schon die Frage aufwerfen, wohin es denn dann gewaschen wurde? Fische? Menschen- nicht nur Taucher, sondern am End´sogar Verbraucher? Nein? Hat sich bestimmt im Wasser einfach in Luft aufgelöst?
Nur: Warum wäre dann eine Bergung eigentlich zu gefährlich?
Ach, was soll´s [zurück zur Politiker-Logik]: Die Touristen sollten sich doch vielmehr darüber freuen, dass sie an der Küste nicht nur popelige Muscheln als Souvenirs vorfinden können, sondern auch fette fette Granaten...und auch die Fischer sollten viel dankbarer sein, dass ihr "grauer" Alltag auf hoher See dadurch aufgewertet wird, dass ihnen nicht nur (mit Tabun angereicherte) Schollen und Heringe ins Netz gehen, sondern hin und wieder ein richtig dicker "Fisch", der ja nicht unbedingt in die Luft gehen muss. Aber kann, wie schon passiert...
Abschließend sei noch mit einem Irrtum aufgeräumt: Natürlich lagern in der Nordsee nicht nur Kampfmittel aus dem 2.Weltkrieg. Auch Alt-Bestände der Bundeswehr, der Nationalen Volksarmee der DDR, der Sowjetarmee und der Nato wurden hier versenkt.
"Sauber und diskret"?

Samstag, 13. März 2010

München Aktuell

Wie unsere Gesellschaft funktioniert, ist ein Phänomen. Ein einzelner Mensch kann das wohl kaum begreifen. Ich zumindest bestimmt nicht. Viel zu komplex.
Was aber ein fast noch größeres Phänomen ist: dass unsere Gesellschaft irgendwie "funktioniert"...paradox genug.
Es ist aber schon klar, dass alles Grübeln beim besten Willen nicht weiterhilft. Es ist für den eigenen Seelenfrieden wohl wirklich besser, sich da nicht allzu reinzusteigern. Besser Abwehrmechanismen entwickeln: Ignoranz ist eine effektive Möglichkeit, das von sich fernzuhalten, was ist und passiert. National und international. In unserer Medienwelt ist es aber auch nicht ganz einfach, die unglaubliche Nachrichtenflut, und seien es nur die obligatorischen Info-Häppchen, komplett auszublenden. Und auch wenn das gelänge, so blieben dennoch die eigenen Augen und Ohren als Aufnahmeinstrumente.
Eine andere Möglichkeit damit umzugehen ist Ironie, die manchmal ins Sarkastische hinübergleitet. So geht es mir zumindest. Ich gestehe.
Mann kann auch schreiben, um sich etwas Klarheit zu verschaffen. Ich gestehe ein weiteres Mal. Wenn man nun versucht, Beides zu verbinden und Ironie ins Schreiben einfließen lässt, dann ist auch klar, dass man sich damit auf einen schmalen Grat begibt. Manche Zeitphänomene, Personen, Gruppen und Institutionen hätten zwar nicht nur Das "verdient", aber immerhin, auch wenn der Spagat nicht immer klappt. Es gibt Schlimmeres als Humor...
Manchmal helfen aber alle Abwehrmechanismen nicht, umso mehr, wenn der alltägliche Wahnsinn wieder und direkt vor der Haustür und nicht am anderen Ende der Welt zuschlägt:
So am vergangenen Samstag in München Hasenbergl geschehen- siehe hierzu ein Bericht auf "Süddeutsche.de".
Und nur zwei Tage später und ein paar Meter weiter in Milbertshofen: siehe Spiegel Online.
Nur ein kleiner Auszug der (Münchner) Realität. Ob vereinzelte Inititiativen wie die "Lichterkette" (zur Homepage), so gut sie auch gemeint sind, daran etwas Grundlegendes ändern können, wenn sich sonst Nichts ändert?
Wenn die Gesellschaft weiterhin so "funktioniert", wie sie das nun einmal tut und die Bevölkerung (ich selbst will mich da gar nicht ausklammern) es doch akzeptiert, dass z.B. Banken und Wirtschaftsunternehmen wohl "systemrelevant" sind, Menschen und Menschlichkeit aber eben nicht, auch wenn das immer wieder die gleichen Folgen hat, die sich doch (häufig) aus Zukunfts-Angst, Orientierungs- und Perspektivenlosigkeit ergeben? Und wer hat das eigentlich "demokratisch" legitimiert?
Vielleicht sollte ich mich da aber auch nicht allzu sehr reinsteigern...

Mittwoch, 3. März 2010

Angebote

Die Kirchen. Gerade in letzter Zeit hat sich ihr Image ja nicht gerade verbessert. Notgeile, pädophile Priester, betrunkene bischöfliche Autofahrer(innen), aktuell sogar Kloster-Razzien. Das ist ja, wie z.B. ordentlicher Alkoholkonsum beim Bund, so neu auch wieder nicht, die Razzien vielleicht mal ausgenommen.
Dass aber innerhalb weniger Wochen so viel ans öffentliche Tageslicht gerät, ist schon bemerkenswert. Vielleicht doch ein Wink des Schicksals oder gar von ganz Oben/ Unten? Zweifelsfrei kann man feststellen, dass die Kirchen ideologisch ihrer Zeit hinterherlaufen, und zwar nicht erst seit Gestern...daher wäre es vielleicht für die „Glaubens-Kreise“ mal an der Zeit, endlich ihre Dogmen zu überdenken, um im Dritten Jahrtausend anzukommen.
Ein Denk-Ansatz: Warum nicht mal die zehn Gebote inhaltich etwas aufpeppen, die alten Tafeln abnehmen und durch interaktive Touchscreens an den Kirchenwänden ersetzen?
Wie wär´s beispielsweise damit:

1.
"Ich fänd´s schön, wenn Du neben mir nur zwei bis drei weitere Götter hättest. Schöne Grüße übrigens an Mehmet und Mammon, die alten Kackbrazzen!"

2.
"Du solltest meinen Namen nicht allzu oft missbrauchen- wofür habe ich denn profane Schimpfwörter und Slang erfunden, Keule?!"

3.
"Am Feiertag bitte Doppelschichten wo möglich meiden."

4.
"Sofern Du deine Eltern kennst, dann sei doch bitte nett zu Ihnen- und einen Altersheimbesuch in Ehren, wer kann den schon verwehren?"

5.
"Töten? Bitte nur auf der Playstation. Ansonsten können wir doch in Ruhe über Alles skypen oder online beim gemeinsamen Egoshooten chatten."

6.
"Wenn Du Dich schon für die Ehe entschieden hast und Du kein Politiker, Manager oder (Ex-)Leistungssportler bist, dann sei doch bitte so nett und halte Dich doch an die Regeln. Außerdem könntest Du echt öfters mal den Müll runterbringen."

7.
"Lass Dich beim Stehlen bitte nicht erwischen!"

8.
"Bitte nicht mehr als zehn Mal am Tag lügen, Notlügen zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation natürlich ausgenommen (ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit)."

9.
"Du sollst als Großgrundbesitzer nicht begehren deines Nächsten Haus- Du hast doch schon genug."

10.
"Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, es sei denn, sie ist einfach ein scharfes Gerät (sind wir doch mal ehrlich) und/ oder der Alte checkt es eh nicht mehr (Jopi)."

Support:
Hast Du Fragen oder weißt Du einfach nicht weiter: maile mir 24/7 einfach unter Hotline 1 oder, falls besetzt, Hotline 2.

Alle Angebote Denkansätze und ohne Gewähr.
Ansonsten gilt wie immer: Benedetto, übernehmen Sie!

Montag, 15. Februar 2010

Skandal im Sperrbezirk!

Jetzt ist es raus- in den deutschen Kasernen wird gesoffen bis der Katheter kommt! Das ganze Land ist entsetzt?! Erst der Schweineleber-Skandal bei den Gebirgsjägern, jetzt DAS (Alkohol-Probleme in der Bundeswehr?)!
CSU-"Commander-in-Chief" Theo von und zu Guttenberg kann das natürlich nicht akzeptieren, geht es doch hier um sein Image und das seines "Unternehmens". Brutalstmögliche Aufklärung garantiert. Nicht auszuschließen, dass da der ein oder andere Kopf (oder Korken) rollen wird...
Nur: Seit wann ist es denn etwas Neues, dass die Jungs und Mädels beim Bund gerne mal das ein oder andere Fläschen Korn vor, während und nach Dientschluss auf der Stube vernichten? Wo wurde denn das "Katheter-Saufen" erfunden? In der Schweiz? Also Bitte. Und: War uns Das nicht Allen längst bekannt? Immerhin hat ja wohl Jeder von uns den ein oder anderen Bekannten oder zumindest Bekannten von Bekannten, der es eher später als früher nicht nehmen lässt, in geselliger Runde und mit glänzenden Augen nostalgische Anektoden von feuchtfröhlichen Abenden "beim Bund" zum Besten zu geben? Und prahlt Mann denn nicht gerne damit, schon einmal ROHES (metaphysisch betrachtet: weißes) FLEEEEEIIIISCH verputzt zu haben (hierzu der philosophische Standpunkt einer bundesdeutschen Kapelle) ?
Nein? Ok, dann eben nicht...
Fairerweise muss man jetzt aber sagen, dass der Große Karl-Theodor auch einmal seinen Wehrdienst abgeleistet hat. Und wo wird das wohl gewesen sein? Vielleicht beim Gebirgsjägerbataillon 233 in Mittenwald? Nein? Ja? Doch?
Ja, sicher, Früher war Alles besser. Auch beim Bund. Anfang der Neunziger waren dort nur brave Jungs und Klosterschüler, die es noch als Ehre empfanden, für Deutschland durch den Dreck zu robben und nach Feierabend Hagebutten-Tee zu trinken...es ist ja nicht so, dass das Komasaufen in jeder zivilisierten Armee traditionellerweise zum guten Ton gehört. Nein, das muss sich erst in letzter Zeit entwickelt haben (HartzIV und die SPD haben da vielleicht auch Schuld daran), so dass die Medien endlich wieder über einen Skandal berichten können. Und natürlich hätte sich unser MEGA-Minister ja auch bestimmt ganz ohne Medien-Druck lääääängst um diese unappetitliche Sache gekümmert. Ja, wenn er denn als redlicher Ex-Gebirgsjäger nur davon gewusst hätte (Karl-Theodor beim Aufnahme-Ritual???)!!!

Freitag, 12. Februar 2010

Refugien der Ruhe

Die Industriegesellschaft ist Vergangenheit. Wo gestern noch schweißige Leiber und klebrige Staublungen, da heute hippe Events und Sektempfänglichkeiten. Aus Ruhr wird Kultur.
Daneben dreht sich Alles, wie wir ja wissen, um Dienstleistung, Service und: Life Style. Bald werden wir beim Friseur nicht mehr nur noch unsre Haare schneiden und Köpfe massieren lassen, nicht nur Mélange schlürfen und in gechillter Clubatmosphäre House hören, sondern uns auch z.B. an einem Fünf-Gänge-Menue delektieren können, inklusive ausgiebiger Weinprobe, versteht sich. Vielleicht gibt´s das ja aber auch schon...egal.
Was viel wichtiger ist- auch in diesem Blog muss dem Service-Charakter nun und endlich unbedingt umgehend Rechnung getragen werden:
Wer kennt es nicht? Privat wie beruflich Termine über Termine, gott- und/ oder von Kunden/ Freunden(innen) vorgegebene "Deadlines". Dazu die üblichen Meetings und Briefings. Grade steht man noch in der Büro-Lounge, um einmal durchzuschnaufen und sich ne Latte zu machen, da materialisiert sich plötzlich der Vorgesetzte, um Einen einen Stapel Papier in die Hand oder einen mündlichen Auftrag aufs Auge zu drücken. "Machen se mal". Selbstverständlich Just in Time. Also am besten bis Gestern. Immer wieder hört man da im Kollegenkreis verständlicherweise "ich bin reif für die Insel". Doch nur die Wenigsten können sich eben Eine leisten, und das nicht einmal in Kanada- Jörg Pilawa mal ausgenommen. Aber auch der wohlverdiente Ballermann-/Kultur-Urlaub bleibt da nicht selten auf der Strecke. Doch warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute ist so Narr, um Berlusconi zu zitieren.
Im Folgenden, und da sowas wie Charts  und Tops (z.B. die Top 5-10 "steilsten Klippen", "fettesten Fette", "beliebtesten Politiker", "was auch immer") ja immer gut ankommen, seien deshalb einige Refugien genannt, die für Jedermann ohne große Reisekosten zugänglich sind- d.h. entweder vor Ort oder gar Zuhause- und die dafür sorgen, dass sich die Hektik für eine kurze oder lange Weile in Ruhe und Frieden verwandelt.

1.
Als Arzt hat man viele Patienten, Überstunden en masse. Was tun, bei all dem Gebrechen? Ganz einfach: Warum in einer freien Minute nicht einmal in den nächstbesten Kernspin (hier einsteigen)? Übrigens ist diese Methode auch für Nicht-Ärzte empfehlenswert. Nur eine Überweisung zum Radiologen und ab dafür! Zusätzlich zum beengend wohlig knappen Platz erwartet Einen im Luxus-Kanal gratis ein avantgardistisch-hypnotisches Klopfkonzert der Extra-Klasse, das Einen in kürzester Zeit alle (anderen) Sorgen vergessen lässt. Wer hier nicht Ruhe und Entspannung oder gar Inspiration für innovative Motetten- oder Jogurettenmusik findet, wo dann?

2.
Ein weiterer Klassiker: Die Wohlfühl-Grube. Auch in Ihrer Nähe. Hier lautet die Devise: Reinlegen und abschalten. Die neiderfüllten Blicke Ihrer Mitmenschen sind Ihnen todsicher.

3.
Auch in den eigenen vier Wänden gibt es Möglichkeiten, sich der häuslichen Hektik zu entziehen: bitte klicken. Also: rein mit dem Gekröse, Deckel zu. Und auf einmal ist Alles ganz cool. Und zu snacken gibt´s auch reichlich- wenn man Glück, einen Plan oder gar eine(n) fürsorgliche Frau/ Mann hat.

4.
Fortgeschrittene können jederzeit zum Hörer greifen und versuchen, ihrem DSL-Anbieter ein fingiertes Problem zu schildern. Der Weg ist das Ziel, denn dadurch kann man das ein oder andere Stündchen in der Warteschleife genießen- in aller Ruhe und bei feinster Fahrstuhlmusik (James Blunt). Aktive Erholung garantiert.

5.
Die gute alte Warteschlange. Leider außer Mode gekommen, könnte man hier doch den ganzen Alltagsstress hinter sich lassen und sich aufs Wesentliche konzentrieren. Am Besten zur Rush Hour in der Innenstadt (nicht Tengelmann) im günstigsten Super-Markt oder dem örtlichen Arbeitsamt (niemals vor 10 Uhr!!!) ausprobieren, sich einreihen und völlig frei fühlen!

6.
Wem alle vorangegangenen Tipps aus irgendwelchen Gründen nicht zusagen oder wem die ganze Alltagshektik sowieso schon längst auf den Zeiger geht, der sollte sich einfach mal eine kleine Auszeit nehmen (3-5 Jahre). Einfach mal ein wenig crazy sein, Steuern hinterziehen und es zur Abwechslung (Achtung, Trend!) mal dem Finanzamt melden oder als Abgeordneter während einer Rede im Bundestag nicht den Sonnen-, sondern Hitlergruß präsentieren. Wer Glück hat, der kann sich dann bei ausgiebiger Lektüre der Weltliteratur (Grisham&Co.) in puristischem Ambiente erholen und die gewonnene Freiheit genießen. Und das sogar auf Staatskosten!

Wer möchte, der kann mir gerne sein persönliches Lieblings-Refugium aus der Liste nennen. Oder ein Selbstgewähltes. So oder so wäre das auf jeden Fall ganz "prima" (Dr. Cox, "Scrubs").