Donnerstag, 17. Dezember 2009

Es weihnachtet sehr in der Irrenanstalt

Dass im Fernsehen häufig und quotenstark Sinnloses lief und läuft, ist ja nichts Neues. Freunde des gepflegten Kabaretts guck(t)en bei all der bildergewaltigen Müll-Flut oft in die Röhre. Zum Glück gibt es aber im ZDF das Format "Neues aus der Anstalt" (Infos zur Sendung) als womöglich legitimen Nachfolger des "Scheibenwischers". Was aus dem wurde (der "Satire-Gipfel"), ist nicht wirklich der Rede wert. Nur soviel: Dieter Hildebrandt hat schon gewusst, warum er dem Nachfolge-Format in der ARD weder seinen Segen geben noch den Namen seiner Kultsendung überlassen wollte.
Am Dienstag lief auf jeden Fall die extralange Weihachtsausgabe der Anstalt, die ja nicht aus Mainz, sondern München gesendet wird. Dem Dieter und der "Lach- und Schießgesellschaft" zum Wohlgefallen, möchte ich vermuten. Denn hier gibt es noch echtes politisches Kabarett: bissig, intelligent, schonungslos. Und zum Frohen Fest sogar mit einem Krippenspiel der etwas anderen Art.
Thematisch wurden selbstverständlich keine relevanten Baustellen ausgelassen, siehe das Schweizer Minarett-Verbot, den Nikolaus-Sturz durch Koch&Co., die Bad Banker, Afghanistan und und und...Danke Urban Priol&Gäste. Und ein Extra-Dank an Georg Schramm. Der ließ es sich dieses Mal und in seiner Rolle als Patientensprecher nicht nehmen, Klartext zum Thema "Piraten in Somalia" zu sprechen. Reflektiert und auf den Punkt- wie immer.
Gut zu wissen, dass neben all dem Quatsch-Comedy-Gedöns auch noch ernster Humor und echte Satire eine Nische hat im deutschen Fernsehen. Und dass man die Sendung jederzeit über die ZDF-Mediathek abrufen kann.
Zum Weihnachtsfest: Neues aus der Anstalt

1 Kommentar:

  1. Ironie des Schicksals: Die Kabarettsendung "Neues aus der Anstalt" wirkt auf mich wie die moralische Sperrspitze des öffentlich rechtlichen Fernsehens, während das restliche Programm in dieser Hinsicht nur Einzelfallhilfe betreibt oder sich in eierlosem Phrasengedresche verliert. Frontschwein Schramm hingegen lässt es ordentlich jucken und schont sich nicht - Respekt! Köstlich, wie manchmal dem teilweise arg borniert daherkommenden Studiopublikum das Grinsen in der Fresse gefriert, wenn Priols Truppe einen riesigen Eimer Scheiße über unsre Gesellschaft ausschüttet. Keep it coming!

    Und der "Satire Gipfel" ... demnächst mit Mario Barth?

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